von Alexander Hergarten (Consultant bei SIR consulting)

Das SAP Business Warehouse fußt bei vielen Konzernen bereits auf einer Hana-Datenbank. Durch den Einsatz von Hana lassen sich auch in vielen Bereichen des Konzern-Abschlussprozesses Optimierungen generieren, bspw. bei der Bereitstellung der Abschlusswerte vom ERP-System über das SAP BW oder innerhalb des Reporting.

Eine der weitreichendsten Änderungen mit der Nutzung eines SAP BW auf einer HANA Datenbank ist die BW-Modeling-Perspektive im SAP HANA Studio.

Das SAP HANA Studio ist eine Eclipse-basierte Anwendung, die in anderen Eclipse-Lösungen wie Luna oder Neon integriert werden kann oder als Stand-Alone-Lösung heruntergeladen werden kann. Für letzteres sind Kenntnisse im HANA Studio erforderlich, um diesen Prozess zügig und fehlerlos durchzuführen.

Installation von HANA Studio und Unterschiede zu Eclipse

Im Gegensatz zu Eclipse Luna oder Neon lässt sich das HANA Studio nicht als Gratisvariante herunterladen, sondern ist im Marketplace der SAP über einen entsprechenden User herunterzuladen. Zum Entpacken der heruntergeladenen Dateien wird SAPCAR benötigt. Das SAP HANA Studio wird erst im SAR-Format heruntergeladen. SAPCAR ist dann wiederum in der Kommandozeile des Betriebssystems auszuführen, worauf dann ein Befehl eingegeben werden kann, um SAP HANA Studio zu entpacken. Damit werden SAR-Dateien, ähnlich wie ZIP-Dateien, entpackt. Sobald nach einigen Schritten SAP HANA Studio gestartet werden kann, sind technische Erweiterungen im HANA Studio hinzuzufügen, bevor zunächst die ABAP-Perspektive und dann anschließend die BW-Modeling-Perspektive installiert werden können. Bereits hier gibt es etwas zum tüfteln, ohne entsprechende SAP Basiskenntnisse kann die Installation von HANA Studio zu einer Herausforderung und Geduldsprobe werden.

Obwohl die Installation von HANA Studio wesentlich komplexer als das hinzufügen der Komponente in Eclipse ist und die Unterschiede am Ende nur kosmetischer Natur sind (u. a. Logos und Thema), wird das HANA Studio häufig bevorzugt, weil mit diesem die Installation in einem Durchgang abgeschlossen werden kann und durch Updates für HANA Studio im Gegensatz zur Eclipse-Variante die neueste, stabile Version gepusht wird. Eclipse empfiehlt sich hingegen insbesondere, wenn noch andere Anwendungen parallel über den Eclipse-Editor laufen (z.B. Java-Anwendungen).

Manövrieren in der BW-Modeling-Perspektive

Der Einstieg in die BW-Modeling-Perspektive ist im Gegensatz zur Installation sehr einfach. SAP HANA Studio ist im Grundsatz wie andere Eclipse-Umgebungen aufgebaut. Wenn die BW-Modeling-Perspektive geöffnet ist, lassen sich im Project Explorer, Projekte bzw. Systeme anlegen. Dabei greift HANA Studio auf die in der SAP GUI bereits eingetragenen Systeme zurück, was in der täglichen Arbeit eine schöne Erleichterung darstellt. Nach der Anmeldung stellt sich das System wie folgt vor:

20180405_SAP_HANA_Studio_Alex_1

20180405_SAP_HANA_Studio_Alex_2

Im Gegensatz zur Netweaver-Oberfläche wird die Workbench in nur zwei Kategorien unterteilt: dem BW-Repository, wo alle BW-Objekte wie InfoObjekte, (HANA-optimierte) InfoProvider und InfoSources aufgeführt und angelegt werden. Im Bereich Datenquellen hingegen werden die Quellsysteme des BW und die darunter angelegten DataSources angezeigt.

Ein Manko ist, dass einige Objekte nach wie vor in der Netweaver-Umgebung angelegt und bearbeitet werden müssen. Der grundsätzliche Unterschied zwischen diesen Objekten liegt darin, ob sie HANA-optimiert sind oder nicht. Die HANA-optimierten Objekte können zwar grundsätzlich auch im Netweaver angezeigt werden, aber nur in der BW-Modeling-Perspektive bearbeitet werden. Dies gilt für InfoObjekte, ADSOs, CompositeProvider und HANA-DataSources (HANA-Tabellen). Klassische InfoProvider wie das Standard-DSO, InfoCubes und MultiProvider hingegen können nur im klassischen Netweaver angelegt werden. Sollte keine HANA für das BW verwendet werden, werden die InfoObjekte weiterhin im Netweaver angelegt und bearbeitet.

Leider gilt dies auch für andere Objekte wie u. a. InfoPackages, Transformationen und DTPs. Bei Transformationen bspw. werden programmierte Routinen wahlweise klassisch mit ABAP oder mit AMDP-Skript bearbeitet. Für ABAP muss weiter der klassische Netweaver verwendet werden, während für das AMDP-Skript eine Klasse angelegt wird und der Code im HANA Studio geschrieben werden muss. Das bedeutet, dass für Transformationen mit HANA-Optimierung die Transformation im Netweaver geöffnet werden muss, die Routine aber im HANA Studio bearbeitet werden muss. Eine kleine Hilfe soll es dabei sein, dass sich der Netweaver in einem Fenster im HANA Studio öffnen lässt und somit Absprünge zwischen Netweaver und HANA Studio automatisch erfolgen. Allerdings sorgt dies zu Größenproblemen, da die Auflösung des Netweavers nicht auf das Fenster im HANA Studio angepasst wird, was zu einigen Interaktionen mit Scroll-Leisten führen kann.

Wenn eine Programmroutine angelegt wird, erfolgt die Frage vom System, ob die Routine mit ABAP oder AMDP-Skript angelegt werden soll. Der Unterschied zwischen den Logiken beider Varianten liegt grundsätzlich in der Verarbeitungslogik. Innerhalb einer Routine wird im AMDP-Skript grundsätzlich mit SELECT-Statements gearbeitet, um die Daten zu bearbeiten. Die Daten werden als Ganzes bearbeitet, während im ABAP mit Hilfe von Schleifen Datensätze einzeln bearbeitet werden können. Alleine dadurch verspricht das AMDP-Skript eine deutlich schnellere Verarbeitung.

Fazit

Für eine reine SAP-Umgebung sollte das SAP HANA Studio der Eclipse-Erweiterung vorgezogen werden, da wie bereits erwähnt, automatisch die neuesten Updates per Push-Prinzip eingespielt werden.  Bei intensivem Arbeiten im System bspw. im Zuge des Aufbaus einer BW-Landschaft oder bei größeren Anpassungen bietet die BW-Modeling-Perspektive des SAP HANA Studio einige Unannehmlichkeiten, was vor allem an dem häufigen Wechsel zwischen HANA Studio und dem NetWeaver liegt. Insgesamt betrachtet erhält man als Anwender das Gefühl, das SAP sich nicht sicher ist, welche Features wo bearbeitet und angezeigt werden sollen. Nebenher gibt es zahlreiche Programmkorrekturen, die bereits veröffentlicht sind. Von daher sollte der Patch Stand möglichst aktuell gehalten werden, um diverse „Kinderkrankheiten“ direkt auszumerzen.

Diese Erfahrungen sind allerdings lediglich die aus Sicht eines Consultants, der im Backend arbeitet. Für Anwender im Fachbereich, die das Endergebnis sehen, sind diese Aspekte nicht ersichtlich. Wenn der Ausweis der Abschlusswerte korrekt dargestellt und die Daten durch die Verarbeitung auf der HANA-Datenbank wesentlich schneller geladen werden können, wird dies vom Fachbereich zusätzlich positiv bewertet.

von Alexander Hergarten (Consultant bei SIR consulting)
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